ifo Faktenmonitor Ostdeutschland: Aktualisierte Daten zur ostdeutschen Wirtschaft

Mit dem ifo Faktenmonitor Ostdeutschland hat das ifo Institut (Niederlassung Dresden) im Auftrag der Mitteldeutschen Stiftung Wissenschaft und Bildung ein datenbasiertes Instrument geschaffen, das die wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands umfassend abbildet. Erstmals wurde der Faktenmonitor im Mai 2025 im Rahmen des Ostdeutschen Wirtschaftsforums (OWF) der Öffentlichkeit vorgestellt.  

Ziel ist es, auf Basis objektiver Strukturdaten einen differenzierten Vergleich zwischen den 16 Bundesländern zu ermöglichen und damit die Diskussion über den Stand der deutschen Einheit zu versachlichen. Mittlerweile umfasst der Faktenmonitor rund 250 Indikatoren und bietet damit eine der umfangreichsten Datengrundlagen zur Bewertung regionaler Unterschiede und Entwicklungspotenziale. 

Die erste Bestandsaufnahme zeigte bereits ein differenziertes Bild: Zwar besteht weiterhin ein wirtschaftlicher Rückstand Ostdeutschlands insgesamt, gleichzeitig können einzelne Regionen durchaus mit strukturschwächeren westdeutschen Gebieten mithalten oder diese sogar übertreffen.

Warum eine Aktualisierung notwendig ist

Die aktuelle Version des Faktenmonitors greift eine umfassende Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) der Länder auf, deren neue Daten im März 2026 veröffentlicht wurden.  

Diese Revision bringt mehrere wesentliche Änderungen mit sich: 

  • Neue Basisstatistiken wurden integriert, die erst zeitverzögert verfügbar sind 
  • Methodische Anpassungen aufgrund internationaler Vorgaben wurden umgesetzt 
  • Die Bevölkerungszahlen wurden an den Zensus 2022 angepasst 
  • Zudem liegen erstmals Daten für das Jahr 2025 vor 

Diese Veränderungen wirken sich insbesondere auf die Berechnung zentraler Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt und Pro-Kopf-Werte aus und machen eine Aktualisierung der bisherigen Einschätzungen erforderlich. 

Zahlen und Fakten: Ost-West-Vergleich im neuen Licht

Die aktuellen Daten zeigen ein insgesamt konsistentes Bild: Ostdeutschland hat wirtschaftlich weiter aufgeholt, bleibt aber in zentralen Kennziffern hinter Westdeutschland zurück. So erreicht das BIP je Einwohner inzwischen 79,5 % des westdeutschen Durchschnitts, wobei die jüngste Revision das Niveau leicht nach oben korrigiert hat.  

Auch bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ergibt sich ein ähnliches Bild: Gemessen am BIP je Erwerbstätigenstunde liegt Ostdeutschland bei rund 86 % des Westniveaus. Gleichzeitig konnte die ostdeutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren leicht stärker wachsen als die westdeutsche. 

Unterschiede bestehen weiterhin bei Einkommen und Wirtschaftsstruktur. Die Löhne liegen nominal noch etwa 12 % unter dem Westniveau, werden jedoch durch niedrigere Lebenshaltungskosten teilweise ausgeglichen. Strukturell ist die Wirtschaft häufiger durch kleinere Unternehmen geprägt, gleichzeitig zeigen sich klare Stärken in einzelnen Branchen und Regionen.  

Besonders bemerkenswert sind einzelne positive Entwicklungen: So verbessert sich Brandenburg deutlich und erreicht beim BIP je Erwerbstätigen rund 91,9 % des westdeutschen Durchschnitts, während Berlin weiterhin ein zentraler Wachstumstreiber ist. Auch Sachsen überzeugt mit einer überdurchschnittlichen Exportquote. Die ostdeutsche Forschungslandschaft weist in Teilen bereits eine hohe Wettbewerbsfähigkeit auf. Besonders dynamisch zeigen sich innovationsgetriebene Entwicklungen etwa im Umfeld von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die zunehmend als Ausgangspunkt für unternehmerische Aktivitäten dienen.

Fazit

Die Aktualisierung des ifo Faktenmonitors zeigt: Die statistischen Revisionen führen zu punktuellen Neubewertungen und lassen Ostdeutschland in einigen Bereichen etwas stärker erscheinen als bisher. Am grundsätzlichen Befund ändert sich jedoch wenig: Ostdeutschland hat weiterhin einen wirtschaftlichen Rückstand gegenüber dem Westen, gleichzeitig bestehen substanzielle Fortschritte, regionale Erfolgsgeschichten und klare Entwicklungspotenziale. 

Der ifo Faktenmonitor liefert damit eine belastbare Grundlage, um wirtschaftspolitische Strategien zielgerichtet weiterzuentwickeln und die Angleichung der Lebensverhältnisse faktenbasiert zu begleiten.

Beim Verwenden des ifo Faktenmonitor Ostdeutschland ist die Mitteldeutsche Stiftung Wissenschaft und Bildung als Quelle anzugeben. 

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